Bürgermeister Bodo Klimpel im RN-Interview

Bodo Klimpel im Interview in der Halterner Zeitung / Ruhr Nachrichten / Ausgabe vom 29. Juli 2017:

Viele Bürger genießen gerade ihren Urlaub, auch die Politik vor Ort macht Pause, die neue Landesregierung muss sich in vielen Bereichen zunächst einen Überblick verschaffen. Spüren Sie das als Bürgermeister auch, dass es in der Sommerpause zwischen den Sitzungsterminen etwas ruhiger zugeht?

Antwort: Ja, auf alle Fälle. In der ersten Ferienwoche merkt man es noch nicht so sehr, weil dann noch viele damit beschäftigt sind, genau wie vor Weihnachten ihre Schreibtische aufzuräumen. Aber jetzt ist es doch deutlich ruhiger geworden.

Sie sind jetzt seit September 2004 Bürgermeister in Haltern. Was macht Freude an diesem Job und was nervt?

Antwort: Das mit Abstand Schönste an diesem Beruf ist, dass man viel mit Menschen zu tun hat und dass es einfach niemals langweilig ist. Ich habe in all den Jahren, in denen ich jetzt Bürgermeister bin, nicht einen Tag Langeweile gehabt. Was nervt? Mittlerweile ist Kommunalpolitik und Verwaltungshandeln so kompliziert geworden, dass man manche Sachverhalte immer wieder erklären muss. Wenn man dann merkt, dass Bürger diese ganz bewusst nicht verstehen und die Fakten nicht akzeptieren wollen, weil sie dagegen sind, dann nervt das.

Im Frühjahr war Angela Merkel zu Gast in Haltern. Wie haben Sie die Bundeskanzlerin persönlich erlebt?

Antwort: Ich habe die Bundeskanzlerin schon öfters gesehen und erlebt, zum Beispiel auch auf Parteitagen oder bei Vorträgen. Als besonders angenehme und warmherzige Frau habe ich sie kennengelernt, als sie 2015 im Jahr der Flugzeugkatastrophe hier in Haltern gewesen ist. Auch bei ihrem letzten Besuch in Haltern bei der Wahlkampfveranstaltung im Frühjahr hat man wieder gemerkt, dass sie das Herz am rechten Fleck hat. Aber man soll sich auch nicht täuschen. Sie ist auch sehr durchsetzungsstark, sehr bestimmend und in ganz vielen Dingen unheimlich kompetent.

Was sagen sie zu dem Eindruck, dass die CDU vor Ort überwiegend männlich geprägt ist?

Antwort: Das würde ich nicht sagen. Wir haben eine stellvertretende Bürgermeisterin. Wir haben weibliche Ausschussvorsitzende, wir haben Frauen im Fraktions- und Parteivorstand, wir haben eine Bundestagsabgeordnete. Meine Wahrnehmung ist, dass auch Frauen in der CDU vor Ort Karriere machen können. Es ist allerdings in der Tat so, dass es immer schwieriger wird, Leute für die Kommunalpolitik zu begeistern. Das ist aber kein geschlechtsspezifisches Problem.

War die Entscheidung richtig, im Jahr 2015 so viele Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen?

Antwort: Darauf sage ich ein klares Ja. Ich finde es in diesem Zusammenhang ein bisschen schade, dass mit der Zeit vergessen wird, welche Verhältnisse zum Zeitpunkt einer Entscheidung vorlagen. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass der Bahnhof in Budapest völlig überfüllt war mit Flüchtlingen. Angela Merkel war die Einzige, die dieses Problem kurzfristig lösen konnte. Aus humanitären Gründen hat sie damals die absolut richtige Entscheidung getroffen. Darüber hinaus steht der Name meiner Partei, die Christlich Demokratische Union, auch für christliche Nächstenliebe. Bei einer humanitären Katas- trophe, wie wir sie 2015 erlebt haben, war diese das Gebot der Stunde.

Wie läuft das Zusammenleben vor Ort? Kann man überhaupt schon von Integration sprechen?

Antwort: Ja, das kann man schon. Wir haben zum Glück sehr viele engagierte Menschen vor Ort, die sich vorbildlich um unsere Flüchtlinge kümmern. Wir haben viele Flüchtlinge, die integrationswillig sind. Da wo sie es sind, klappt es auch mit der Integration. Da wo die Bereitschaft fehlt, haben wir Schwierigkeiten. Dann müssen wir restriktiver vorgehen.

Vor welche Probleme sieht sich die Verwaltung gestellt?

Antwort: Ich mag nicht immer von Problemen reden. Wir sind ein Volk der Superlative. Wir reden beispielsweise schnell von einer Katastrophe. Was diese wirklich bedeutet, wissen wir in Haltern seit dem 24. März 2015. Wenn wir dagegen vor ein paar Herausforderungen stehen, habe ich damit nicht direkt ein Problem. Natürlich müssen wir die Fragen der Unterkunft und der Integration beantworten. Wir haben, damit das einmal ganz klar wird, obwohl wir jetzt verstärkt Flüchtlinge anerkannt bekommen, die dann dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, in Haltern eine Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent. Wir haben eine Ausländerquote von unter 4 Prozent in unserer Stadt inklusive Flüchtlinge. Da mag ich nicht von Problemen reden, sondern möchte von Herausforderungen sprechen. Diesen stellen wir uns mit einem sehr breiten Konsens im Stadtrat. Ich finde, das machen wir hier vor Ort sehr gut.

Bezahlbarer Wohnraum wird in Haltern zum Luxus. Es fehlen unter anderem Sozialwohnungen. Wurden hier auf städtischer Ebene in der Vergangenheit Fehler gemacht? Sehen Sie eine baldige Lösung?

Antwort: Ich sehe überhaupt keine Fehler in der Vergangenheit. Wir haben immer wieder Wohngebiete ausgewiesen. Wir mussten auch aus Haushaltskonsolidierungsgründen städtische Flächen verkaufen. Das haben wir damit verbunden, insbesondere für junge Familien Grundstücke anzubieten. Subventionierten Wohnungsbau muss man auch bezahlen können. Wie hätten wir das im Stärkungspakt machen sollen? Es gibt eine ganz klare Vorgabe in der Gemeindeordnung, dass die Stadt Vermögen nicht unter Wert veräußern darf. Ganz so einfach ist das also nicht. Wir haben immer soziale Komponenten bei unseren Grundstücksverkäufen berücksichtigt, beispielsweise dass wir eine ganze Zeit pro Kind noch einmal fünf Euro beim Quadratmeter reduziert haben. Das mussten wir allerdings, als wir den Haushaltssanierungsplan aufgestellt haben, fallen lassen. Insofern sehe ich da keine Versäumnisse. Im Übrigen sehe ich auch nicht, dass diejenigen, die uns jetzt Fehler vorwerfen, in der Vergangenheit durch fulminante Anträge in der Politik auf sich aufmerksam gemacht haben. Mit dem Verkauf von ein paar Kinderspielplatzflächen werden wir das Problem des sozialen Wohnungsbaus jedenfalls nicht lösen können. Unser großes Problem ist, dass wir einfach zu wenig Flächen für Wohnungsbau zuerkannt bekommen. In unserem Flächennutzungsplan haben wir ein Zehntel der Flächen, die Dülmen bewilligt werden. Das betrifft auch die Gewerbeflächen. Dies ist für eine Stadt, die als Wohnort so begehrt ist wie Haltern am See, ganz schwierig. Die dafür zuständige Behörde, der Regionalverband Ruhr, stellt sich hier ziemlich quer. Dieser muss nun für sich einen Gebietsentwicklungsplan aufstellen. Wir als Stadt werden alles versuchen, mehr Wohnraum- und Gewerbeflächen für Haltern am See durchzusetzen.

Der Bürgermeister von Roost Warendin, Lionel Courdavault, ist schon oft zu Besuch in Haltern gewesen. Welche Bedeutung haben Partnerschaften über die Landesgrenzen hinweg für eine Stadt wie Haltern am See?

Antwort: Sie haben eine sehr große Bedeutung. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Freunden in Frankreich. Hier ist unter anderem unsere stellvertretende Bürgermeisterin Hiltrud Schlierkamp sehr aktiv. Wir haben außerdem ein ausgezeichnetes Verhältnis nach St. Veit in Österreich. Es ist schade, dass die Partnerschaft mit Rochford in England zum Erliegen gekommen ist. Aber für eine Partnerschaft braucht man eben immer handelnde Akteure. Sie muss gelebt werden. Insbesondere für die Vereine und für unsere Kinder und Jugendlichen ist es sehr wichtig, dass eine Stadt Kontakte ins Ausland pflegt. Deshalb begrüße ich sehr, dass sich gerade die Realschule sehr engagiert, was den französischen Austausch angeht, und dass unser Gymnasium Europaschule ist. Ich empfinde es als ein Privileg, dass wir seit 70 Jahren in Frieden in einem Staat leben, der mitten in Europa liegt und dass wir uns mit den Herausforderungen, die wir gestellt bekommen, in aller Ruhe beschäftigen können. Wir müssen keine Angst vor einer kriegerischen Auseinandersetzung haben. Wenn auch viele über die EU meckern, mir gefällt sicher auch einiges nicht, aber eines ist gewiss: Die EU ist eine riesengroße positive Friedensidee.

Welches Verhältnis haben Sie zu Geschichte? Ist es richtig, sich zu erinnern und beispielsweise auch heute noch den Nationalsozialismus, Verfolgung, Vertreibung und Massenvernichtung zum Thema zu machen?

Antwort: Es ist absolut wichtig, sich zu erinnern, insbesondere für meine Generation. Wir sind die letzte Generation, die noch direkte Kriegserlebnisse mitgeteilt bekommen hat. Ich hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Großmüttern, insbesondere die Mutter meiner Mutter, die die Vertreibung aus Oberschlesien miterlebt hat, hat mir viel berichtet. Insofern weiß ich aus Erzählungen, was Hunger und Entbehrung bedeutet. Das müssen wir an unsere Kinder weitergeben, damit der 70-jährige Friedensprozess in Europa weiter bestehen bleibt. Das ist nämlich keine Selbstverständlichkeit. Was die Massenvernichtung von jüdischen Mitbürgern angeht, habe ich eine ganz klare Einstellung. Es ist unsere Aufgabe, dieses Kapitel deutscher Geschichte an die nächste Generation weiterzugeben. Ich bin in diesem Zusammenhang der Realschule sehr dankbar, dass sie so engagiert ist, die ja nach Alexander Lebenstein, dem einzigen jüdischen Überlebenden des Holocausts aus Haltern, benannt ist. Alexander Lebenstein ist einmal mit mir durch Haltern gegangen und hat mir die Ereignisse des 9. November 1938, der Reichspogromnacht, an Originalschauplätzen erklärt. Man ist dann natürlich ganz anders betroffen, als davon in einem Geschichtsbuch zu lesen. Wir müssen versuchen, diese Betroffenheit an nachfolgende Generationen weiterzugeben.

Welche Rolle spielt Religion in Ihrem Leben?

Antwort: Sie spielt eine große Rolle. Ich bin in einem christlichen Haushalt aufgewachsen. Mein Vater war katholisch, meine Mutter evangelisch. Ich bin nicht zuletzt deshalb auch ein großer Freund der Ökumene. Für mich ist die christliche Lebensweise sehr wichtig. Sie hat nicht nur etwas mit Religion zu tun, sondern auch mit der Grundeinstellung. Sie ist verbunden mit der Achtung vor der Schöpfung.

Und wie begegnen Sie Andersgläubigen, zum Beispiel auch muslimischen Mitbürgern, die jetzt in Haltern eine neue Heimat gefunden haben?

Antwort: Ich bin ein großer Fan unseres Grundgesetzes. Für mich ist das ein hervorragendes Werk, das unser Zusammenleben regelt. Wir haben eine Glaubens- und Religionsfreiheit. Ich bin allerdings ein Feind von jeglichem Extremismus, egal ob von links oder rechts oder ob religiös motiviert. Darüber hinaus denke ich allerdings, dass sich die eine oder andere Religion einmal Gedanken über ihr Frauenbild machen sollte.

Nicht nur in Halterns Schützenvereinen werden Traditionen gepflegt. Sind diese eine gute Basis, um sich der Zukunft zuzuwenden?

Antwort: Ich denke schon. Tradition hat viel damit zu tun, dass man nicht vergisst, wo man herkommt. Aus Tradition kann viel Neues und Positives entstehen. Ich selbst bin ein sehr traditionsbewusster Mensch und habe das noch nie als Hinderungsgrund gesehen. Im Bewusstsein von Traditionen ist man gut geerdet, auch für die Entscheidungen, die man jeden Tag treffen muss.

Im Fall des Sythener Schlosses hat sich Bewährtes gegen eine neue Idee durchgesetzt. Gegen die Widerstände des Fördervereins Schloss Sythen konnte die Firmenansiedlung der Guten Botschafter nicht durchgesetzt werden. Ist dieses Ergebnis aus Ihrer Sicht ein gutes für die Stadt Haltern oder ist es bedauerlich?

Antwort: Es wäre besser gewesen, wenn beide Interessen unter einen Hut hätten gebracht werden können. Das war auch mein Ziel. Man muss im Leben und insbesondere in der Politik aber manchmal erkennen, dass es Dinge gibt, die man nicht durchsetzen kann. Wenn sich beispielsweise im Laufe eines Prozesses herausstellt, dass die ursprüngliche Idee doch nicht die beste ist. Vor diesem Hintergrund muss man auch akzeptieren, dass die Ansiedlung der Guten Botschafter am Schloss Sythen nicht verwirklicht wird.

Es gibt zahlreiche ehrenamtliche Initiativen in Haltern. Welche Bedeutung hat die freiwillige Arbeit für die Stadt?

Antwort: Sie hat eine sehr große Bedeutung. Wir leben in einer Stadt, in der ehrenamtliches Wirken einen unglaublichen Stellenwert hat. Ich weiß noch, wie mir das aufgefallen ist, als ich 2001 nach Haltern kam. Ich war zum Beispiel total davon beeindruckt, dass sich Mütter im Schulbistro am Gymnasium engagieren. So etwas kannte ich vorher gar nicht. Es gibt so viele ehrenamtliche Aktivitäten in Haltern, allein in den Sportvereinen arbeiten so viele Bürger auf freiwilliger Basis mit. Das ist für mich ein ganz wichtiges Fundament, auf dem diese Stadt steht.

Wie sähe es ohne dieses Engagement aus?

Antwort: Deutlich schlechter auf jeden Fall. Für die Stadt ist das Engagement nicht nur in finanzieller Weise wichtig, sondern auch in ideeller und traditioneller.
In Haltern hat eine Tagesklinik für psychisch erkrankte Menschen ihren Betrieb aufgenommen. Der Bedarf für eine solche Einrichtung vor Ort ist gegeben. Woran liegt es aus ihrer Sicht, dass psychische Erkrankungen zunehmen?
Antwort: Das kann ich ganz schlecht erklären. Wir nehmen das natürlich im Rathaus auch wahr, dass immer mehr Menschen psychische Probleme haben. Ich selbst werde damit unter anderem in meinen Sprechstunden konfrontiert. Vor diesem Hintergrund ist es sehr wichtig, dass man insbesondere ambulante Plätze vor Ort schafft. Ich war sehr erschrocken, als ich erfahren habe, wie lange Betroffene auf einen Termin warten müssen. Wir leben in einer Gesellschaft, die einem ständigen Veränderungsprozess unterlegen ist. Unsere schnelllebige Zeit stellt den Einzelnen vor immer neue Herausforderungen. Wir haben in der Arbeits- und Berufswelt einen unglaublichen Druck, sich ständig zu qualifizieren und neue Informationstechnologien zu beherrschen. Es gibt Menschen, die das nicht so gut schaffen. Gott sei Dank leben wir in einem Staat, der in der Lage ist, sich um diese Menschen zu kümmern.

Sie sind ein gern gesehener Vorlesepate in Halterns Kindergärten. Ihre eigenen Kinder sind schon erwachsen bzw. fast erwachsen. Glauben sie, dass Sie die Wünsche und Bedürfnisse heutiger junger Familien und ihrer Kinder richtig im Blick haben?

Antwort: Das denke ich schon. Ich habe einen sehr intensiven Kontakt zu meiner Nachbarschaft, in der viele Familien mit kleinen Kindern leben. Wir leben in einer Stadt mit viel Nachwuchs, was ich sehr genieße.
Die letzten neuen Kindergärten in Sythen an der Joseph-Schule, in Haltern an der ehemaligen Martin-Luther-Schule und der geplante an der Lohausstraße wurden sehr kurzfristig realisiert.

Wie vorausschauend ist die Kinder- und Jugendpolitik der Stadt Haltern?

Antwort: Ich hoffe, sehr vorausschauend. Bei den Kindergartenplätzen ist das allerdings sehr schwierig, weil die Kinder schon ein Jahr nach der Geburt einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben. Wir tun aber, was wir können. Wir haben mit den beiden letzten Projekten, dem Kindergarten an der ehemaligen Martin-Luther-Schule und dem geplanten an der Lohausstraße, vorausschauende Entscheidungen getroffen, um dem Betreuungsbedarf gerecht zu werden. Eigentlich ist es ja auch eine schöne Herausforderung, viele Kinder in einer Stadt unterzubringen. Um diese Situation beneiden uns in der Region ganz viele Städte. Allerdings muss man sagen, dass wir als Verwaltung nicht jeden individuellen Wunsch erfüllen können.

Den Jugendkulturförderpreis beim Rockbüro haben Sie schon einige Male überreicht. Hand aufs Herz, stehen Sie mehr auf Schlager-, auf Rock- oder klassische Musik?

Antwort: Ich bin schon eher ein Rockmusikfan, aber dabei in dieser Sparte sehr unterschiedlich aufgestellt. Für mein Alter etwas zu spät bin ich absoluter Beatles-Fan. In meiner Jugend war ich auch ein Fan von Marius Müller-Westernhagen (Anmerkung der Redaktion: „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ oder „Sexy“).

Liegt ihnen eher der Sport oder die Kultur näher?

Antwort: Ich bin sehr kulturinteressiert, aber wenn ich wählen müsste, würde ich mich für den Sport entscheiden. Apropos Jugend: Die jungen Leute gehen heute neue Wege der Kommunikation.

Andere Rathäuser präsentieren sich bereits in den sozialen Medien und nutzen beispielsweise einen Facebook-Kanal. Warum hält sich die Halterner Verwaltung hier zurück?

Antwort: Facebook macht nur dann Sinn, wenn man jede Anfrage sofort beantwortet, weil der Kanal von der Schnelllebigkeit bestimmt wird. Wir haben eine Internetseite und sind sehr gut erreichbar. Wir sind deshalb der Meinung, dass wir unsere Präsentation mit den vorhandenen Mitteln besser handhaben können. Ich kann keine zusätzliche Kraft einstellen, die sich den ganzen Tag um Facebook kümmert oder sich generell mit sozialen Medien beschäftigt. Wir überlegen uns schon ständig, wie wir uns als Stadt kommunikativ verbessern können, aber im Rahmen des Stärkungspakts können wir wegen mangelnder personeller Ressourcen nicht alle Dinge realisieren, die wir uns wünschen würden.

Beim Stadtradeln führen sie einige Touren an. Wie oft sind Sie privat mit dem Rad unterwegs, um das Klima zu schützen oder sich fit zu halten?

Antwort: Bevor ich ans Klima denke, habe ich es erst einmal selbst nötig, mich fit zu halten (lacht). Gefühlt hat sich für mich die Zahl der Radfahrer seit Erfindung der E-Bikes verdoppelt. Sehr viele Leute nutzen heute das Rad. Dazu gehöre auch ich. Wenn ich selbst keinen Schlips- und Kragentermin im Rathaus habe, setze ich mich aufs Rad.

Mit welchem Gefühl blicken Sie dann eigentlich auf die Windräder in Haltern?

Antwort: Ich habe dann kein schlechtes Gefühl. Gleichzeitig habe ich Verständnis für alle Bürger, die Windräder nicht toll finden. Wir müssen allerdings die Energiewende in unserem Land schaffen. Bisher hat mir noch niemand erklären können, wie wir das ohne Windräder schaffen. Wir haben in Haltern gerade die entsprechenden Beschlüsse gefasst, um die künftige Errichtung von Windrädern zu regeln. Außerdem warten wir noch ab, was uns die neue Landesregierung in die Gesetzgebung schreibt.

Gerade wurde das neue Altenheim in Sythen eingeweiht. Haben Sie sich schon mit dem Thema Alter befasst? Wo und wie möchten Sie Ihren Lebensabend verbringen? Ist eine Einrichtung wie in Sythen eine Option für Sie?

Antwort: Das Altenheim in Sythen ist für mich fußläufig oder rollatormäßig zu erreichen. Ich glaube, dass unsere Generation verpflichtet ist, nicht nur an die jetzigen Senioren und Seniorinnen zu denken, sondern auch an die künftige Generation alter Menschen, somit auch an unsere eigene. Ich habe eine hohe Betroffenheit, weil meine Mutter seit fünf Jahren in einem Pflegeheim lebt, und seit einem guten halben Jahr auch mein Onkel, um den ich mich ein bisschen kümmere. Es ist ganz wichtig, dass man sich überlegt, wie man im Alter leben möchte. Das sollte man auch beizeiten so machen. Ich möchte jedenfalls nicht unvorbereitet in eine solche Situation kommen. Wenn ich dann einmal in ein Pflegeheim muss, weil meine Kinder nicht für mich sorgen können, da sie nicht in Haltern wohnen, werde ich mir wohl auch ein Zimmer im neuen Sythener Altenheim nehmen.

Beenden Sie bitte folgende Sätze: Politisch geprägt hat mich…

Antwort: Konrad Adenauer, weil er ein Mann gewesen ist, der wirklich seine Prinzipien ausgelebt hat und mit sich im Reinen war, der ein unheimlicher Gerechtigkeitsfanatiker gewesen ist. Deshalb hat er auch im Dritten Reich große Schwierigkeiten bekommen. Er war ein sehr mutiger Mann. Das sind alles Attribute, die man braucht, um einen vernünftigen Job im öffentlichen Dienst zu machen.

Ein perfektes Wochenende ist für mich…

Antwort: ...eine entspannte Zeit zu Hause mit meiner Familie.

Früher wollte ich immer…

Antwort: ...Fußballspieler werden.

Schalke wird Meister, wenn…

Antwort: Upps! Ich hoffe, dass ich das noch erleben werde.

Ich bleibe Bürgermeister, bis...

Antwort: ...der liebe Gott, mein Arzt oder die Wähler mir sagen, dass es gut ist.